Pater Nikolai zu Besuch bei Chasqui im Eine Welt Haus München

Ein voller Saal, ein bewegender Bericht, Tänze und Musik aus Peru - ein Abend der uns bewegt

Anlässlich seines Deutschlandbesuches berichtete uns Pater Norbert Nikolai am 05.02.2011 im Eine Welt Haus München vor einem vollem Saal über seine Arbeit im berühmt-berüchtigten Männergefängnis von San Juan de Lurigancho in Lima, Peru.

Seit März 2010 wirkt Pater Nikolai als Gefängnispfarrer in „San Juan de Lurigancho“ in Lima unter 8.700 Gefangenen, Zusammen mit einem ganzen Team von Haupt- und Ehrenamtlichen erlebt Pater Nikolai dort eine in sich organisierte Welt und nahm uns an diesem Abend mit in unvorstellbare Verhältnisse. Er stellte uns ein Gefängnisprojekt vor, das seit vielen Jahren die Männer hier in Lurigancho unterstützt und neue Wege aufzeigt:

Kennedy ist 20 Jahre alt und hat die letzten vier Jahre seines Lebens im Knast verbracht. Seine Eltern konsumieren Drogen und so hat ihn die eigene Sucht zum Diebstahl und Raub gebracht. Die letzten Jahre war er im Projekt ANDA und hat in der Gruppe gelernt, seine Probleme selbst zu meistern. Seit vier Wochen ist Kennedy auf freiem Fuß. Das war eine richtige Story, denn er wurde sofort wieder eingesperrt, weil noch die Anzeige wegen des Diebstahls einer Gasflasche bestand. So musste ich ihn mit unserer Anwältin bis zum Richter nach Villa El Salvador begleiten, wo unser Schützling sich jetzt monatlich melden muss, bis diese Anzeige wegen seiner guten Führung zu den Akten gelegt wird. Gut führen tut sich Kennedy nun selbst. Er lebt in dem Haus einiger Ordensschwestern und hilft im Antigewaltprogramm „Fuerzas Barrios“ für benachteiligte Kinder. Den Kontakt zu seiner Familie und den früheren Freunden meidet er, um sich so langsam ein neues Leben aufzubauen. Die Mutter seines Sohnes hat einen neuen Partner, trotzdem freut sich Kennedy, seinen Sohn regelmäßig zu sehen. Seine Freiheit haben wir mit einem leckeren Essen gefeiert, jetzt sucht er Arbeit, um sich selbst zu ernähren. Kein leichtes Spiel für einen Sträfling. Aber Kennedy ist stark und hat durch unser Programm an Selbstwertgefühl dazugewonnen. Ich glaub an ihn und mit mir tun das viele. Ihr auch?

Begleitet wurde der Abend von der peruanischen Tanzgruppe Corazon Peruano aus München sowie von Musik aus den Anden unserer Musiker Rolando Ñaupari, Edwin Villanueva, Fernando Chavez und Angel Soto.

Sie zeigten dem Publikum, dass Peru nicht nur aus sozialen Problemen besteht, sondern einen ungeheuren Reichtum an Kultur besitzt, die ihrem Volk die Wurzeln und Identität gibt, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern und die Hoffnung nie aufzugeben.

Wir danken allen Gästen und Mitwirkenden für Ihre Unterstützung!

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